Hier möchte ich nun die Geschichte von Clemens Glumen Kotschedoff vorstellen.

Clemens Kotschedoff wurde um 1679 als Sohn von Borges Kotschedoff in Moskau geboren. Im Mai 1728 wird er erstmals im KB Letzlingen(1)erwähnt:
„Clem Kotschatow ein Moscoviter von Geburt, und königl. Preuß. Grenadier von der Leibcompagnie s. hochfürstl. Durchl. Printz Leopold von Anhalt mit Jungfer Ilse Sophie Lippelt Mstr. Johann Lippelts Bürgers und Schmidt zu Gifhorn im Braunschweigischen Tochter und Cammermädgen bey der Frau Oberforstmeisterin Fr. von Bornstedt zu Letzling, cop. alda d. 3 May in Gegenwart des Printzens. Die Copulation und Hochzeit geschahe auffem Schloss“

Im Jahre 1729 wird er  im Militärkirchenbuch des "Leopoldischen Regiments" erwähnt als er seine Tochter Sibilla Sophia Clara Ottoniette Petronella taufen ließ. Der Taufeintrag(2) der Tochter ist sehr interessant - deswegen werde ich ihn hier wörtlich wiedergeben:
„Den 2 Majus 1729 hat Hr. Glum Kotschetow ein Moskoviter von Geburth und Religion Grenadier bey der Leibcompanie und dessen Ehefrau Sophia geborene Lipitz aus dem Lüneburgischen gebürthig eine Tochter Nahmens Sibilla Sophia Clara Ottoniette Petronelle Conradine tauffen lassen. Die Nahmen sind ihr auf Ihre Hochfürstliche Durchlaucht des Prinzen hohen Befehl gegeben worden, als welcher allen Herren Stabes und auch Herren Officiers zum Tauff-zeuge erbothen gewesen. Die Tauffe ist geschehen zu Salchow auf Ihrer hochfürstlich Durchlaucht Jagd-Hause.“

Kurz darauf muss Clemens das Regiment verlassen haben, denn als er im Jahre 1731 in Salchau seinen Sohn taufen ließ, war er bereits der Kastellan des Jagdschloßes des Fürsten Leopold Maximilian von Anhalt-Dessau. Im Jahr 1734/1735 muss seine 1. Ehefrau Sophia Lippelt verstorben sein. Am 20.09.1735 heiratet er die Anna Sabina Schreyer, Tochter des Freysaßen Adam Christian Schreyer aus Burgstall.  Mit ihr hatte er dann noch 6 weitere Kinder.

Im Jahre 1752 wurde Clemens Kotschedoff dann allerdings wegen unerlaubten Bierausschank und Beherbergungen im Jagdhaus verklagt. Wann genau er das Jagschloss verlassen hat ist nicht bekannt –im Jahre 1761 wurde das Schloss dann an die Familie von Bornstedt verschenkt.(3)

Da das Militär-KB des Regiments erst 1729 beginnt, ist leider nicht mehr festzustellen wann er dem Regiment beigetreten ist, bzw. wie er nach Deutschland gekommen ist. Lt. einer Legende der Gemeinde Burgstall soll Clemens Kotschedoff in seiner Eigenschaft als zaristischer Kurier, in einer Schenke jenseits der Elbe in eine wüste Schlägerei verwickelt gewesen sein, deren Folgen ihn zur Flucht zwangen und ihn in diese Gegend verschlugen.(4)
Von einem Forscherkollegen Frank Martinoff erfuhr ich, dass es im Gerbonvik ein Wappen der adligen Familie Kochetov gibt. Hier die Übersetzung des Textes:

Der Vorfahr der Familie Kotschetov Radion Gavril, Sohn des Kotschetov, wird 1648 und 1649 im Verzeichnis der Höflinge und Bojaren bzw. deren Verwandten mit Einkünften aus eigenen Gütern genannt. Viele aus dem Geschlecht Kotschetov dienten in gleicher Weise dem Russischen Thron in unterschiedlichen Stellungen und wurden vom Herrscher mit Gütern belohnt. Dies ist anhand von Quellen und dem Stammbaum Kotschetov aus dem Staatsarchiv nachzuweisen, beurkundet und überlassen durch das Moskauer Stammbuch der Höfischen Versammlung.(5)
Es ist durchaus denkbar, dass es eine Verbindung zwischen der adl. Familie Kochetov aus Moskau und Clemens Kotschedoff gibt und dass es keine Legende ist, dass er als zaristischer Kurier in die Altmark kam.
Im vergangenen Jahr schickte ich eine Anfrage an das heraldische Archiv nach Russland – allerdings warte ich derzeit noch auf Antwort.

Des Weiteren würde es evtl. auch erklären warum Clemens Kotschedoff solche Privilegien zuteil wurden! Prinz Leopold Maximilian v. Anhalt-Dessau war bei der Heirat persönlich zugegen, wählte dazu noch den Namen der Tochter aus und ließ die Taufe auf seinem Jagdschloss ausrichten. Im Anschluss machte er ihn zum Kastellan seines Jagdschlosses für mehr als 20 Jahre. Welche Beweggründe Leopold Max. v. Anhalt-Dessau tatsächlich hatte, lässt sich heute natürlich nicht mehr in Erfahrung bringen.

Am 04.01.1775 starb Clemens Kotschedoff dann im Alter von 96 Jahren in Burgstall. Seine Nachfahren leben teilweise noch heute in dieser Gegend.  Einen Überblick finden sie hier.

1.KB Letzlingen 1728
2.Militärkirchenbuch Garnisonsgemeinde Stendal 1729
3.Dr. Karl-Ulrich Kleemann: Das Heidedorf Salchau - Geschichte und Geschichten eines Dorfes in der Colbitz-Letzlinger Heide vom 13. Jahrhundert bis zur Gegenwart. Mai 2006
4.Siegfried Jahn, Heimatforscher und stellvertretender Bürgermeister der Gemeinde Burgstall
5.Gerbovnik
Alles zerfällt zu Nichts, wird alt und stirbt und findet sein Ende.
Menschen sterben, Eisen rostet, Holz verfault, Türme stürzen ein, Mauern zerbröckeln, Rosen verwelken.
Auch Namen haben keinen Bestand über das Grab hinaus. Es sei denn, sie scheinen in den Büchern eines Gelehrten.
Es ist die Feder, die den Menschen Unsterblichkeit verleiht.

Master Wace - Roman de Rou
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